Jetzt.

Wenn ich weiß, das jetzt gerade ein Mensch ins Sterben gleitet,
dass die Infusion nicht mehr ist,
dass die Beruhigungsmittel verabreicht wurden,
dass das Herz noch pumpt,
während Verwandte am Bett stehen,
wenn ich weiß, dass das geschieht,
während ich gerade mein Leben lebe,
die Geschirrspülmaschine einräume,
die verbrannte Nase vom Badesee-Sonntag
im Spiegel sehe,

dann fühle ich, wie viel auch ich von
Vater, Mutter, Geschwistern, Freund:innen, Gefährt:innen
in mir habe,

wie ich sie
und das liebe,
was wir zusammen erlebten,
erwanderten, erlitten, erlachten, erträumten,
erkämpften, erschufen.

Diesen Reichtum
will ich fühlen, parat haben, teilen.

Was wir miteinander sind, ist groß.

Wir sind, was wir jetzt gerade denken und fühlen,
und wir sind das, was wir anderen gegeben haben
und wir sind das, was wir empfangen haben.

Und so weiß ich, dass der Mensch, der
jetzt gerade einschläft und stirbt,
etwas Großes, Waches, Schönes ist,
so wie du, so wie ich.

Ich werde mich daran erinnern,
auch wenn gerade niemand stirbt.