Test.

Test. Auf meinem Balkon liegt ein toter Maikäfer. Ich traue mich nicht, ihn aufzuheben. Als störte ich so seine Ruhe und verletzte seine Würde. Aber ich will ihn auch nicht liegen lassen. Ich muss ihn aufheben. Und ich werde seine Form durch die mehreren Taschentücher fühlen. Vielleicht wird sein Chitinpanzer knistern. Der arme Maikäfer. Und dann? In den Hausmüll. Nicht ins Klo. Im Klo würden die Taschentücher durch den Spülvorgang fortgezogen, und der Käfer schwömme weiter oben, anklagend. “Willst du jetzt auch noch auf meine filigrane Gestalt defäkieren? Willst du meine sensiblen Fühler, die erotische Gelegenheiten aus hundert Meter Entfernung melden können, willst du diese zarten Empfänger einfach zuscheißen? Das soll mein Ende sein? Warum konntest du mich nicht einfach auf dem Balkon in Würde vergehen lassen? Langsam und ehrenvoll von der Sonne verbrennen lassen, wie man einen Wikingerkönig ehrt?” Mist. Ich wollte eigentlich nur ein Test-Posting schreiben. Und jetzt kann ich diesen Käfer erst recht nicht mehr anrühren. Vielleicht decke ich ihn einfach zu? Die Taube, die damals nach dem Knall gegen mein Balkonfenster gestorben war, die entsorgte ich bald, weil ich ihre Verwesung, den Gestank und Krankheit fürchtete. Ich habe Lachs im Kühlschrank. Wenn ich den Lachs auf den Maikäfer lege, dann fängt der Lachs bald an zu stinken, und ich muss beide entsorgen, Lachs und Käfer. Aber den Lachs esse ich lieber. Essen. Ich sollte essen. Solche Gedanken hat man nur, wenn man zu hungrig ist. Aber wie kann ich nun mit der Erinnerung an den Taubenleib essen? Ich weiß, was ich tun muss. Ich ehre den Maikäfer. Indem ich mich auf mein Bett lege, wie er auf meinem Balkon liegt. Ich denke an seine Flüge, an meine Flüge, an unsere Flüge durchs große Leben. Ich denke an sein Krabbeln, an mein Krabbeln, an die Erschöpfung nach der Paarung, an Wiesen und Himmel. Wie ich in seinen Armen lag, in der Wiese, wie er in den Himmel blickte und sagte: “Ist das mit uns beiden nicht verboten?” Und wie ich sagte: “Hör auf dein Herz. Hör auf dein Käferherz.” Und wie er nur sagte: “OK”, wie er sich leise knisternd räkelte und wie wir dem Rauschen der Bäume lauschten, bis es dunkel wurde.

Uh.

Flashback zum Moment, als ich in vibrierender Pubertät zum ersten Mal so einen Nasenstrip benutzte – und dann auf der Nase riesige leere Poren hatte – und auf dem Strip eine Armee sehr verunsicherter kleiner aufrechter Bernsteinwürmer. Ach ja, äh: Die Erdbeeren waren lecker!