2021, 2022

Warum ist es die beste Reise aller Zeiten? Weil es deine Reise ist. Ich wünsche dir Zeit zum Blick zurück und Vorfreude — und das gute Gefühl deiner Tatkraft. Wir haben alle Tatkraft-Muckis! Lass uns die trainieren! Guten Flug, du Vogel!

Stille Zeit, stille Triage

Leider nicht lustig. DER SPIEGEL zitiert den Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft, Thomas Seufferlein: »Als ärztlicher Direktor einer universitären Klinik bin ich täglich damit konfrontiert, dass aufgrund des enormen Betreuungsaufwands von Covid-19-Erkrankten personelle Engpässe in der stationären Krebsversorgung entstehen, auch dringende Operationen verschoben werden.“ Der Spiegel-Artikel spricht von einer “stillen Triage”.

Ich will das nicht. Was kann ich tun?

Hier ist der Artikel.

Auch das.

Ich verstand gerade, warum ich so traurig wurde. Zur Weihnachtszeit gehört in diesem Jahr auch die Erinnerung, dass am 25.12. letzten Jahres meine Großmutter starb. Während ich das Wort „starb“ schreibe, trifft mich dieses seltsame Nebeneinander hart: Ich erinnere mich an eine riesige Welt, unbegrenzt groß wie meine Kindheit. Diese Welt hat meine Großmutter erschaffen. Und Oma ist ja doch gestorben. Dann erinnere ich mich eben, berühre die Schätze meiner Erinnerung und streichle so Omas Hand. Danke, Oma! Auf manchem Meter meiner Reise als Erwachsener begreife ich erst jetzt, was du mir beigebracht hast. Und als ich dir zum Glück rechtzeitig vor deiner Reise ins Unbekannte einmal meinen Dank für all deine Liebe ins Ohr brüllte, da griffst du meine Hand fest, gucktest mich an mit deinen großen braunen Augen, aus denen ein ganzes Leben blitzte und sagtest: „Ich danke DIR.“

Ich wäre gerne noch einmal bei dir in der Küche, und jetzt würde ICH DIR Pfannkuchen braten, so wie du sie immer machtest, allen Ernstes mit Eischnee fluffig gemachte riesige Kreise. Und tatsächlich, ich sitze in meiner Fantasie nun als 44-jähriger Mann auf dem alten Teppich im Esszimmer, dessen Muster gut als Straße für die Spielzeug-Autos taugte. Und ich höre dich werkeln, mit so lustigen Utensilien wie diesem Bürstenroller, den man über den Teppich führte. Und ich sehe dich vorm Spiegel sitzen und deine Haare vorm Kirchgang toupieren. Ich rieche deine Nivea-Creme-Maske. Oma, du warst eine Wolke aus Düften: Omaduft natürlich, Niveaduft, Kostümduft, Haarsprayduft, Kakaoduft, Brennesseltee-Duft, Altes-Haus-Duft. Altes Haus mit lauten, schweren Türen und krachenden Türschlössern. Aber du konntest die Welt leicht machen, weil du einen leichten, schwebenden Kern in dir hattest, den ich auch in mir kenne. Der sucht sich das Gute, der macht was draus. Ich verstehe, Oma. Kann es sein, dass etwas von dir in mir weiterreist? Ich sehe dich als kleine Passagierin und sage dir: „Gute Reise weiterhin, brauchst du was? Einen fetten XXL-Pfannkuchen?“ Ich liebe dich, kleine große schöne Oma.